Sidebar

Das Pack

Credit: Zoran Zorro Grujovski

Band: Das Pack

Album: Die Kernseife der Medaille

VÖ: 29.07.2022

Label/Vertrieb: Arising Empire/Edel

Webseite: https://www.daspack.de

Die Deutschen sind ja bekannt dafür, dass sie gerne was zu meckern haben. Dies oder das war früher besser, jenes sollte man anders machen. Und überhaupt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt! Jede Medaille hat ihre Kehrseite. Pensen Paletti, Bandkopf von Das Pack, macht da nicht mit – das beweist er mit „Die Kernseife der Medaille“, dem nunmehr fünften Album der Hamburger Band. „Ich war hin und wieder mal Kart fahren und habe hier bei mir ein paar Medaillen hängen. Eines Tages guckte ich die an und mir kam ‚Die Kernseife der Medaille‘ in den Kopf“, sagt er. „Ständig geht es um die Kehrseite – aber vielleicht muss es gar nicht immer eine geben? Wenn man die Medaillen schön schrubbt, glänzen sie ja von beiden Seiten. Dieser Gedanke hat mir gut gefallen. Und auch wenn ich den Titel schon vorher hatte, passt er finde ich gut in unsere aktuelle Zeit. Ohne die Pandemie wäre das Album sicher ganz anders geworden. Die Platte ist meine persönliche Kernseife von der ganzen Scheiße, die um uns herum passiert.“ Palettis Optimismus klingt auf „Die Kernseife der Medaille“ zweifellos durch, es ist aber keine naive ‚alles wird gut‘-Platte. Die Songs sind ironisch und frech, subtil und auch mal richtig schön schräg.

Wer die Geschichte von Das Pack verfolgt hat, der weiß: Seit Peer Jensen alias Pensen Paletti – auch bekannt als Mitglied der Monsters of Liedermachingund Florian Eilers alias Flozze die Band 2006 gegründet haben, hat sich die Besetzung mehrfach geändert. Bei den Aufnahmen von „Die Kernseife der Medaille“ hat Paletti das erstmals als Chance begriffen. „Ich bin halt Romantiker und habe mir lange eine feste Besetzung für die Band gewünscht“, sagt er. „Aber nach dem letzten Album habe ich mein Herz dafür geöffnet, dass Das Pack doch eigentlich ein sensationeller Name für eine Handvoll Leute ist, die kommen und gehen können. Ich muss immer dabei sein, aber davon abgesehen ist gerade alles ein bisschen freier und das fühlt sich sehr gut an.“ So wird Paletti bei künftigen Live-Daten von Phillip Steven Albright und Benno Kupsa von dem Punkrock-Duo Der Wahnsinn begleitet werden. Aufgenommen wurde das Album aber mit dem Berliner Schlagzeuger Markus „Onkel“ Lingner, der schon für Alligatoah und die Ohrbooten gespielt hat, sowie Zoran „Zorro“ Koljowski??? am Bass, der die Tracks in seinem T & S Studio auch produziert hat.

„Ein Toast auf die Freiheit / heb die Tassen an / ich will immer das tun, was ich nicht lassen kann“, singt Paletti im Eröffnungsstück „Ein Toast“, eine Punk-Rock-Hymne auf die Freiheit – und man kann das ein bisschen als Motto für das Album verstehen. „Die Kernseife der Medaille“ strotzt nämlich nur so vor Eigenständigkeit, Energie und Spielfreude. „Dieses Mal waren wirklich alle Schleusen offen“, sagt Paletti. „Eine kleine Kraftanstrengung gehört ja immer dazu, wenn man sich bei etwas Mühe gibt, aber wir haben die Songs nicht lange eingeübt oder besprochen, sondern direkt losgespielt. Es hat einfach geflutscht und wir konnten oft überlegen: Nehmen wir jetzt die geile Idee oder die?“ Dabei ist musikalisch – wie man das von Das Pack gewohnt ist – alles erlaubt. In „Mein Schwein pfeift“ trifft ein brutales Metal-Riff auf Blasmusik. Paletti serviert neben Punk und Rock auch Ska („Lach doch mal“) und Grunge („Es brennt“), steht dabei aber gerne mit einem Bein im Pop. Zum Beispiel auf der im Dezember veröffentlichten Vorab-Single „Ich habe mich nicht so gut ernährt in letzter Zeit“, die erst stoisch vor sich hin poltert und dann klingt wie Weezer in ihren besten Tagen. „Ich würde nicht sagen, dass es auf dem Album ganz neue Stilrichtungen gibt, denn wir haben uns ja schon immer überall bedient und wohlgefühlt“, so Paletti. „Die Sachen fühlen sich aber noch mal knackiger an. Das, was wir tun, wird dieses Mal klarer ausgezeichnet und abgebildet.“

Wer zudem auf unkonventionelle Texte und freche Wortspiele steht, der wird an „Die Kernseife der Medaille“ seine wahre Freude haben, denn Paletti singt sich mal wieder um Kopf und Kragen. „Das können wir natürlich so machen / Gern auf deine Weise / Das können wir natürlich so machen / Aber dann wird’s halt scheiße“, nimmt er in dem wütenden Rocksong „Auf deine Weise“ kein Blatt vor den Mund. Das völlig verrückte „Mein Schwein pfeift“, in dem als Krönung wirklich gepfiffen wird, ist ein launischer Kommentar auf die allgegenwärtige Hysterie in unserer Gesellschaft und wenn Paletti in dem Metal-meets-Pop-Punk-Stück „Sei nicht so“ singt „nur weil ich dich betrogen habe / machst du jetzt auf beleidigt“, dann ist das natürlich nicht ernst gemeint, sondern in Wirklichkeit eine ironische Umkehr der Geschehnisse. „Ich spür gar nichts“ derweil, in dem er schön hamburgisch fleht „Büdde gib mir mein Gefühl zurück“, ist einerseits eine Verneigung vor „Oh-oh-oh“-Mitgröhl-Nummern, zugleich aber auch eine Persiflage auf überemotionalisierten Pop. „Ich habe als Kind schon gerne mit Wörtern gespielt und Sachen gehört, die Leute um mich herum nicht gehört haben. Ich bemühe mich aber, dass das nicht nur Phrasengedresche ist, sondern die Songs auch etwas aussagen“, sagt Paletti. „Es wird sicher hier und da skurill oder schräg, aber ich möchte, dass die Leute nach dem Hören ein leichtes Happy-End-Gefühl haben. Das Album soll ein kleiner Lichtblick sein – vielleicht auch eigentherapeutisch. Deswegen würde ich sagen: ‚Die Kernseife der Medaille‘ hilft quasi in allen Lebenslagen, auch in den Schieflagen.“

Top